Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Stadt Hirschau  |  E-Mail: stadt@hirschau.de  |  Online: http://www.hirschau.de

(von Werner Schulz)

Armenhauskapelle mit neuem Dach

Die denkmalgeschützte Armenhaus- oder Siechenkapelle an der Bundesstraße 14 erhielt in diesen Tagen ein neues Dach. Das einst benachbarte Armenhaus wurde erstmal 1620 urkundlich erwähnt. Armenhaus und Kapelle stammen aus wesentlich älterer Zeit und wurden außerhalb der Stadt erbaut, als sich die Lepra oder der Aussatz durch die Fernstraßen stark ausbreiteten.
Armenhauskapelle mit neuem Dach

Hirschau. Die Kirchenverwaltung der Katholischen Stadtpfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt hat derzeit eine kleine Baustelle. Die Armenhaus- oder Siechenkapelle, die in Nähe der Amberger Kaolinwerke (AKW) zwischen der Bundesstraße 14 und dem Bahngleis steht, erhält ein neues Dach.

In der Gemarkung Hirschau, zu der neben dem Stadtgebiet auch der Dienhof und die Waldmühle gehören, gibt es zehn Kapellen. Eine davon ist die Armenhaus- oder Siechenkapelle. Der denkmalgeschützte barocke Massivbau hat seinen Namen vom einst unmittelbar benachbarten Armen- oder Siechenhaus, das bereits 1620 urkundlich erwähnt wird. Es stammt, wie auch die Kapelle, aus wesentlich älterer Zeit und wurde außerhalb der Stadt, ca. 600 Meter vom mittleren Stadttor entfernt, erbaut, als sich die Lepra oder der Aussatz durch die Fernstraßen stark ausbreiteten. Heribert Batzl schreibt in der Hirschauer Stadtchronik: „An der Straße nach Schnaittenbach stand „seit unfürdenklichen Zeiten“ das Siechenhaus, dessen Stiftungsbrief verloren gegangen ist und über das auf eine Anfrage der Regierung im Jahr 1855 niemand mehr Genaueres auszusagen wusste.“ Das Leprosenhaus wurde lediglich von Almosen unterhalten, welche an den Feiertagen eingesammelt wurden. Es hatte sonst kein Einkommen und war auf Spenden angewiesen, die den Wohltätern als „gutes Werk“ besonders hoch angerechnet wurden.

Der Eingang zur Kapelle erfolgt von der B 14 aus durch eine flache Rundbogentür. Im Raum steht nur ein kleiner schlichter Altar. Über dem Eingang zur Kapelle findet sich die Aufschrift „ECCE CRUCEM DOMINI, FUGITEPARTES ADVERSAE“, zu Deutsch „Siehe das Kreuz des Herrn, fliehet ihr feindlichen Mächte“. Unter der Schrift steht in lateinischen Zahlen MDCLXXVIII, also 1678. Das Gotteshaus wurde wohl in diesem Jahr renoviert. Das Siechenhaus samt Nebengebäuden wurde um 1835 abgerissen, so berichtet Joseph Weinberger in seiner Chronik „Die Stadt Hirschau, ihre Bürger und Häuser“. Die Kapelle blieb erhalten. Bis in die 1960-er Jahre hinein war zu Zeiten von Stadtpfarrer Heinrich Röhrl die Armenhauskapelle Bestandteil der Flurprozession Station. Deren Weg führte von der Stadtpfarrkiche zur 14-Nothelfer-Kapelle an der Ehenfelder Straße gegenüber dem Haupteingang zum Friedhof, dann zur Armenhauskapelle an der Georg-Schiffer-Straße, wo das zweite Evangelium vorgetragen wurde. Dritte Station war die Grundkapelle kurz vor dem Bahnübergang in der Klaus-Conrad-Straße. Von da aus zog die Prozession weiter zur heute nicht mehr existierenden St. Anna-Kapelle in der Nürnberger Straße gegenüber der Alten Fabrik und schließlich zurück zur Pfarrkirche. 1978 wurde die Armenhauskapelle von Handwerkern der Amberger Kaolinwerke kostenlos restauriert, wofür diese vom damaligen Bürgermeister Willi Bösl mit einer Dankes-Urkunde belohnt wurden. Vor einiger Zeit wurden Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann und die Kirchenverwaltung von Hermann Luber darauf aufmerksam gemacht, dass am Kapellendach der Zahn der Zeit genagt hatte und es in einem sehr schlechten Zustand sei. Zwischenzeitlich sind die Dachsanierungsarbeiten angelaufen. Die ortansässige Firma Holzbau Reil hat die vorhandene Dacheindeckung samt Regenrinnen abgenommen und entsorgt, eine neue Konterlattung, Dachlatten und Ortgangbretter aufgebracht, ein reißfestes und diffusionsoffenes Spezialflies verlegt, das Dach mit Biberschwanzziegeln eingedeckt und neue Regenrinnen mit neuen Rinnenhaken angebracht. Die Kosten beziffern sich auf ca. 7 100 Euro, die von der Kirchenstiftung als Eigentümer zu tragen sind. Kirchenpfleger Roland Fritsch und die Mitglieder der Kirchenverwaltung erwägt derzeit, ob es nicht sinnvoll und angebracht wäre, die Kapelle mit einem neuen Außenanstrich zu versehen.

drucken nach oben