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(von Werner Schulz)

Interessantes und Amüsantes rund um den „Heldenstammtisch“

Bedeckt hält sich Isabella bei der Frage, welchen der vier Helden (v. l.: Dieter Held, Hati Ackermann, Roland Fritsch und Christian Gnan) sie am liebsten als Vater hätte: „Das bleibt mein Geheimnis. Obwohl ich insgeheim einen Favoriten habe.“
Interessantes und Amüsantes rund um den „Heldenstammtisch“

Hirschau. Fritzi Dobmeyer ist ein ebenso junger wie begeisterter Geflügelzüchter. Seinem Hahn Wastl und seinen Hennen Isabel und Berta sollte eine für ein Federvieh seltene Ehre zuteilwerden. Sie sollten beim Stückl-Festspiel „Der Heldenstammtisch“ mitwirken. Wastl und Isabel sollte das nicht vergönnt sein. Ein junger, verspielter Nachbarshund, der es sich zum Hobby gemacht hatte, mit Fritzis Hühnern zu spielen, war ausgebüxt. Er schleppte die beiden, ohne sie zu beißen, durch die Siedlung. Einmal überstanden Wastl und Isabel die Tour. Die zweite innerhalb von drei Tagen war dann zu viel für sie. Der Festspielhahn und die Festspielhenne verstarben während nachts an Herzversagen. Aus war der Festspieltraum! Im Festspiel-Hühnerstall - das originelle Versteck für Verliebte - wird trotzdem gekräht und gegackert. Fritzi besitzt mehrere Zuchtstämme. Gockel Walter übernimmt Wastls Rolle, Huhn Lisa ersetzt die Isabel und Berta behält sowieso ihren Part.

Für Wastl und Isabel hatte ihr Ableben auch etwas Gutes. Ihnen blieb der Probenstress erspart. Seit dem 19. Mai prasselten auf die Mitwirkenden die Anweisungen des Regieduos Hans Drexler und Verena Bauer zu Sprache, Gestik, Mimik, Bewegung usw. ein. Drexler berichtet begeistert: „Der Probenfleiß war sehr gut. Die Damen hielten sogar ohne unser Zutun Zusatzproben ab!“ Die Textsicherheit der Darsteller schildert er differenziert: „Bei dem einen geht es schneller, der andere braucht halt länger.“ Der Altbürgermeister schmunzelt bei der Frage, ob ihn nicht die Bürgermeisterrolle gereizt hätte: „Den Bürgermeister „neu“ brauch ich nicht. Bühnenbau, Organisation und Mitspielen ist sowieso zu viel.“ Im Stück mimt Hati Ackermann den „etwas beschränkten“ Gemeindechef Lackner und nimmt sich selber auf den Arm: „Da brauch ich mich wenigstens nicht so zu verstellen.“ Über seine Probenerlebnisse: „Mir wird in den rechten Fuß geschossen. Ich bin aber mit dem linken Fuß gehumpelt.“ Seiner (echten) Frau Kerstin (Aurelia) haften zwei Missgeschicke im Gedächtnis: „Ich muss mal vom Baum fallen. Da habe ich mir ein paar blaue Flecken eingehandelt, bis ich die richtige Landung heraußen hatte.“ Ein anderes Mal verteilte der Wind auf der Bühne alle von ihr sortierten Briefe, die für die nächste Szene auf dem Tisch bleiben sollten. „Das passiert nicht mehr. Jetzt werden die Briefe beschwert.“ Christina Wisneth (Isabella) erinnert sich, dass sie bei der Umarmungsszene mit zu viel Schwung auf ihren Rudi (Markus Dittrich) losgestürmt ist und ihn fast komplett umgerannt hätte. „Der Tisch hat uns zum Glück noch gebremst.“ Dabei gibt ihr überrumpelter Partner zu, dass für ihn „verliebt zu spielen sowieso nicht so einfach ist.“ Gemerkt hat er das schon, als er erstmals Isabella trifft. Viel Überwindung wird es ihn aber nicht gekostet haben, dass ausgerechnet die Kussszenen oft wiederholt werden mussten. Freimütig gibt er zu: „Als Liebhaber von Isabella habe ich ja nicht unbedingt die schlechteste Rolle erwischt.“

Bedeckt hält sich das „hübsche Moidl“ auf die Frage, welchen der vier Helden sie am liebsten als Vater hätte: „Das bleibt mein Geheimnis. Obwohl ich insgeheim einen Favoriten habe.“ Alles andere als ein Problem hat Kerstin Ackermann mit dem Küssen ihres Bühnenpartners. Sie freut sich: „Jetzt wurde sogar eine Szene so geändert, dass ich einen Kuss krieg. Wäre ja langweilig, wenn das mit meinem eigenen Mann wäre.“

Dieter Held (Bräu) machte aus dem „Haubentaucher“ immer wieder einen „Taubenhaucher“ und Christian Gnan (Lindinger) aus dem „Leibregiment“ ein „Leibgericht“. Hati Ackermann verwechselte anfangs ständig, wann er „Kofirmation“ oder „Konversation“ sagen sollte. Nicht leicht über die Lippen gegangen ist ihm der Dialog mit seiner Frau Julie (Meike Birner). „Der war auf Französisch.“ Mit dem diesem Akzent kämpft Meike Birner, die nie Französisch gelernt hat, durchgehend: „Man rutscht ziemlich leicht in einen russischen Akzent ab.“ Zu allem Überdruss muss sie ihrem Sepp (Christian Gnan) auch noch ein Schlaflied auf Französisch singen. Perfekt klingt ihr Akzent, als sie den Jungbauern Zenzei (Alfred Härtl) zur Minna macht. Dem müsste eigentlich das Lachen vergehen. Er konnte es sich nicht ein einziges Mal verkneifen, steckte sogar die Julie an. Nun hofft er inständig, dass er bei den Aufführungen ernst bleiben kann. Alfred Härtl und Sepp Strobl, die Tontechniker, plagen noch andere Sorgen. Die alten Hasen sprechen alle laut, die Frischlinge sind sehr zurückhaltend. Strobls Ansage für diese: „Wennst niat laut eiredst, naou kann aa nix aßakumma!“

Bevor man „wos eiredn ko“, muss man seinen Text beherrschen - für Isabella kein Problem. Bei Roland Fritsch scheint das anders zu sein. Auf die Frage, ob es eine Textstelle gibt, die er sich nicht merken konnte, reagiert er augenzwinkernd: „Ja – alle von Szene 1 bis Szene 21!“ So viele hat der „Heldenstammtisch“. Keine Angst hatten die Kameraden, dass sich bei der Wirtshausrauferei einer wehtun könnte. „Wir haben eine exklusive Bühnenkampfschulung bei Katrin Klewitz genossen.“ Ein Alptraum ist schon eher die Männer-Kuschelszene, als die sturzbetrunkenen Herren nebeneinander schlafen. Hati Ackermann spricht den anderen aus dem Herzen „Das mussten wir oft proben. Mit Frauen wäre das leichter gegangen“. Ängste durchlebt jedes Mal der Rudi, wenn er seinen betrunkenen Vater mit der Mistkarre hart am Bühnenrand vorbei chauffiert. Wenn die Karre kippt, könnte der Papa von der Bühne fallen. Bislang ist das nicht passiert. Dass das so bleibt, hofft nicht nur der Rudi! Eines steht fest: Die Zuschauer können sich auf ein turbulentes Volksstück freuen, bei dem die Lachmuskeln Schwerstarbeit zu leisten haben.

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