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(von Werner Schulz)

Hirschauer Kirwa – klein, aber auf jeden Fall fein

Beim Festzug nach dem Gottesdienst waren die Mitglieder des Festspielvereins in ihren Biedermeierkostümen ein besonderer Blickfang.
Hirschauer Kirwa – klein, aber auf jeden Fall fein

Hirschau. Eine Kirwa feiern ohne Kirwapaare und Baumaustanzen – geht das überhaupt? Dass das möglich ist, bewies zum wiederholten Mal die Hirschauer Kirwa. Zwei Tage lang stand die Kaolinstadt am vergangenen Wochenende im Zeichen des Brauchtumsfestes. Wie zuletzt wurde es von Festspielverein, Musikzug und Pfarrgemeinderat gemeinsam organisiert.

Die Hirschauer Kirwa gehört zu den Kirchweihfesten, deren Termin einen historischen Bezug zur tatsächlichen Weihe ihres Gotteshauses, der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, hat. Sie wurde 1848 nach einer grundlegenden Sanierung am Sonntag vor dem Fest Mariä Geburt, dem ersten Sonntag im September, wieder feierlich eingeweiht. Mit der Kirwa wurde somit zugleich der 168. Weihetag der Pfarrkirche gefeiert. Los ging das Fest am Samstagnachmittag mit dem Aufstellen des Kirwabaums im Schlosshof. Die Wetterprognosen hatten für den Auftakt - wie das Festwochenende überhaupt - nichts allzu Gutes erwarten lassen. Tatsächlich öffnete der Himmel seine Schleusen, als sich die „Heldenstammtisch-Darsteller“ des Festspielvereins unter dem Kommando von Chef-Organisator Christian Gnan daran machten, den elf Meter hohen, sehr schlanken Kirwabaum in die Senkrechte zu hieven. Altbürgermeister Hans Drexler, dessen fachmännischer Rat bei der Aktion unverzichtbar war, hatte dem Kirwasymbol mit den Inbesitznahmetafeln des letzten Festspielstückes einen außergewöhnlichen originellen Schmuck verpasst. Die herrschenden kühlen Temperaturen verhinderten zwar einen ganz großen Besucherandrang. Im gut besetzten beheizten Festzelt tat dies der guten Stimmung keinen Abbruch. Dafür sorgten schon die acht Musikanten der Gruppe „Jedsmal anerschd" mit ihrer zünftigen bodenständigen Musik.

Am Sonntagvormittag ging es per Kirchenzug, angeführt vom Musikzug, vom Schlosshof aus zur Stadtpfarrkirche. Als Zelebranten standen der Ehenfelder Ruhestandspfarrer Konrad Kummer und Diakon Richard Sellmeyer am Altar. Er stellte den lateinischen Spruch „Si tacuisses, philosophus manisses“ („hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben“) in den Mittelpunkt seiner Predigt und stellte dessen Gültigkeit für das öffentliche Bekenntnis zum Glauben in Frage. Liebe und Leiden seien, wie Jesus vorgelebt habe, ein Paar, das zusammen gehöre. Ein solches Paar bildeten auch die Begriffe Glauben und Mut. Es scheine, dass ein Christ mittlerweile schon etwas Mut brauche, wenn er in der Öffentlichkeit vor dem Essen ein Kreuzzeichen macht. Gläubige Menschen müssten mutig sein, Anfeindungen zu widerstehen und Parolen oder Pauschalverunglimpfungen entgegenzutreten. Schweigen signalisiere doch Zustimmung. Mit dem jüdischen Meister Baal Shem Tow sollte man deshalb darüber nachdenken, ob es überhaupt erstrebenswert sei, Philosoph zu sein.

Angeführt vom Musikzug ging es nach dem Gottesdienst zum Schlosshof. In den Festzug hatten sich einige Vereine mit ihren Fahnenabordnungen eingereiht. Besonderer Blickfang waren die Mitglieder des Festspielvereins in ihren Biedermeierkostümen. Bei herrlichem Sonnenschein sorgten die Pfarrgemeinderatsmitglieder dafür, dass sich die Gäste beim Frühschoppen ihre Weißwürste und Brezen und eine kühle Halbe schmecken lassen konnten, dies alles zu den schmissigen Klängen des Musikzugs. Am frühen Nachmittag wollte St. Petrus den Kirwabegeisterten zunächst mit einem Regenschauer ein Schnippchen schlagen. Gott sei Dank blieb der befürchtete Dauerregen aus. Es zeigte sich sogar zeitweise die Sonne. So konnten sich die Veranstalter bis zu den frühen Abendstunden über einen guten Besuch freuen. Dann sorgte nicht zuletzt das Kanzlerkandidatenduelle dafür, dass sich Festplatz und Festzelt langsam aber sicher leerten.

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