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Stadt Hirschau  |  E-Mail: stadt@hirschau.de  |  Online: http://www.hirschau.de

(von Werner Schulz)

Caritas-Sozialstation 40 Jahre alt

Im Frühjahr 1977 gründete Betty Bösl (Bildmitte) die „Zentrale für ambulante Pflegedienste“, die 2005 in Caritas-Sozialstation umbenannt wurde. Bis zum Jahr 1987 war nicht nur die Verwaltung im Hause Bösl untergebracht, dort fanden auch alle Dienstbesprechungen statt. Anfangs war der Kreis klein. Mitte der 1980-er Jahre wuchs es auf 25 Personen an.
Caritas-Sozialstation 40 Jahre alt

Amberg-Sulzbach/Hirschau. „Das Beste, was wir in den letzten Jahren in Hirschau geschaffen haben, ist unsere Sozialstation. Sie ist Betty Bösls Werk.“ Stadtpfarrer Edwin Völkl hat die Sätze im Juli 1985 formuliert, als man die zum 1. April erfolgte Umbenennung der „Zentrale für ambulante Pflegedienste“ in „Caritas-Sozialstation“ feierte. Heute wird das 40-Jährige der Station begangen.

Ihren Ursprung hatte die Pflegeeinrichtung in einem Krankenpflegekurs des Frauenbundes im Frühjahr 1977. Pfarrer Völkl warb dafür, die Kenntnisse zu nutzen und bei Pflegefällen in der Pfarrei zu helfen. Betty Bösl bat er, die Organisation zu übernehmen. Sie entsprach der Bitte und gründete die „Zentrale für ambulante Pflegedienste“, die mit Irene Meier, Jutta Pfab und Rita Schwinger genau drei Mitarbeiterinnen hatte. Acht Jahre später bei der Umbenennung waren es 25. Diese trafen sich bis 1987 jede Woche zur Dienstbesprechung im Hause Bösl, wo sich auch das Büro befand und die alljährlichen Weihnachtsfeiern ebenso stattfanden wie Regional- und Diözesankonferenzen. Als es im Privathaus endgültig zu eng wurde, fasste Betty Bösl den Entschluss, ein Stationsgebäude zu bauen. 1986 machte sie sich ans Spendensammeln. Es gab weder eine staatliche noch kirchliche Förderung. Baubeginn war am 15. September 1986, am 20. Juni 1987 erfolgte die Einweihung. Gleiches wiederholte sich 1992/1993, bis der zweite Trakt samt Dienstwohnung bezogen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war das Problem der Mobilität der Pflegekräfte schon gut gelöst. Das erste Dienstauto der Schwestern war Betty Bösls privater R 4. Zu Weihnachten 1981 erfüllte ihr Elisabeth Heckmann den Wunsch und stiftete ein Fahrzeug. Dank vieler Spender wuchs der Fahrzeugpark. Der Bau von Garagen war die Konsequenz. Der Fahrzeugbedarf wurde nochmals größer, als sie 1982 in Kooperation mit dem damaligen Krankenhaus die Aktion „Essen auf Rädern“ ins Leben rief. Besonders hohe Fahrleistungen entfielen auf die Familienpflegerinnen, die aus der ganzen Diözese angefordert wurden. 1990 startete sie mit dem 120-Kurs „Zur Heranbildung von Hilfskräften für die hauswirtschaftliche Versorgung“ ein bundesweites Modellprojekt. Die erfolgreiche Arbeit der Hirschauer Sozialstation sprach sich bis zum Bundessozialministerium durch. In Fragen der Ausgestaltung der Pflegeversicherung holte der mit der Ausarbeitung des Gesetzes befasste Staatssekretär Rudolf Kraus wiederholt Betty Bösls fachlichen Rat ein. Als 79-Jährige packte sie im Februar 2005 mit der Gründung der „Lichtstrahl-Gruppe“ ein letztes Pilotprojekt an, in dem man sich besonders dementiell Erkrankter annimmt. Als Betty Bösl - wenige Wochen vor ihrem 80. Geburtstag - am 31. Dezember 2005 nach ca. 60 000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit ihren Dienst beendete, übergab sie dank der Unterstützung Vieler ein wohlbestelltes Haus mit 65 qualifizierten und motivierten Mitarbeiter(inne)n, einem voll funktionsfähigen schuldenfreien Gebäude mit Dienstwohnung, 30 Garagen, 45 Autos, ein ganzes Arsenal an Pflegegerätschaften und dazu ein Finanzpolster in siebenstelliger Höhe. Am 1. Januar 2006 übernahm Diakon Richard Sellmeyer die Leitung. Angesichts der Digitalisierung in allen Bereichen legte er Wert darauf, möglichst viele Arbeiten mit modernen Eingabegeräten elektronisch zu erfassen. Übertragungsgeräte für die Pflegetouren waren der Anfang. Sie sind mittlerweile ein Muss für einen modernen ambulanten Dienst. Für den Fahrzeugpark wurden mit dem Carport an der Marienstraße neue Stellplätze geschaffen. Sellmeyer nutzte die Gunst der Stunde, in Photovoltaik und E-Mobilität zu investieren. Aktuell sind täglich von den insgesamt 34 Fahrzeugen neun mit Elektro-Motor unterwegs. Aus den 65 Angestellten des Jahres 2005 sind 85 Beschäftigungsverhältnisse geworden. Mit den Umsatzzahlen haben sich auch die Personalkosten erhöht, diese sogar überproportional. Richard Sellmeyer: „Das ist ein Pfund, mit dem der Bereich der kirchlichen und caritativen Beschäftigungsverhältnisse wuchern kann. Es werden in diesen Sozialstationen ordentliche Tarife bezahlt, die sich nicht zu verstecken brauchen.“ Sein Fazit: „Aus der „Zentrale für ambulante Dienste“ wurde in 40 Jahren eine effiziente und zukunftsfeste Einrichtung, die Sozialstation der Kirchenstiftung Hirschau. Sie hat ihren Platz in Hirschau und den Versorgungsgebieten gefunden und dies mit den besten Zukunftsaussichten.“

Heute begeht die Sozialstation ihr 40-Jähriges. Zunächst wird um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ein Dankgottesdienst gefeiert. Danach findet im Restaurant/Café ein Festabend mit Stehempfang, Rückblick auf die Stationsgeschichte und gemeinsamem Essen statt.

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