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(von Werner Schulz)

Kulturell wertvollen Abschnitt Hirschauer Steingutgeschichte präsentiert

Drei Monate lang hatten Mitglieder des Festspielvereins die vom Hamburger Kunsthistoriker Volker Zelinsky (l.) organisierte Keramikausstellung VasenKunst betreut. Bei der Finissage am letzten Ausstellungstag dankte er dem Vereinsvorsitzenden Hans Drexler (r.) und auch Pfarrer Klaus Haußmann (Mitte). Er hatte Exponate zur Verfügung gestellt, Führungen durchgeführt und Fachbeiträge für den Begleitkatalog verfasst.
Kulturell wertvollen Abschnitt Hirschauer Steingutgeschichte präsentiert

Amberg-Sulzbach/HirschauGanze fünf Monate arbeiteten die Künstlerinnen Helene Fischer und Maria Piffl 1930 in der Hirschauer Steingutfabrik des Carstens-Konzerns. Dennoch war ihr Wirken so bedeutend, dass ihnen der Hamburger Kulturhistoriker Volker Zelinsky zusammen mit dem Festspielverein und seinem Vorsitzenden Hans Drexler eine Sonderausstellung widmete – die Ausstellung VasenKunst.

90 Jahre nach ihrer Entstehung waren rund 150 von den beiden Österreicherinnen entworfene Exponate - Leihgaben verschiedener Sammler/innen und Objekte aus dem Nachlass der Künstlerinnen - sowie der Überblick über ihr Lebenswerk drei Monate lang in der Alten Mälzerei zu sehen. Gut 400 Besucher aus Hirschau und der weiteren Umgebung konnten die Ausstellungsbetreuer aus den Reihen des Festspielvereins während dieser Zeit an den Wochenenden begrüßen. Ein Großteil von ihnen vertiefte sein Wissen über Fischers und Piffls Schaffen durch den Kauf des den die Ausstellung begleitenden Katalogs. Zur Finissage am letzten Ausstellungstag war Zelinsky nochmals aus Hamburg „in die Oberpfälzer Provinz“ gereist. Bei zwei Führungen konnte er noch einmal die Highlights der Ausstellung und Besonderheiten des Schaffens der damals gerade einmal 22 Jahre alten Entwerferinnen den Besuchern erläutern. Ihre Vasenkunst mit ihren kubistisch geometrischen Formen sei zur damaligen Zeit in Deutschland einzigartig gewesen. Einmalig seien Maria Piffls abstrakte Stricheldekore in den Hauptfarben Ocker-Braun, Grün-Gelb und Blau-Grau. Von ihnen konnten mehr als 25 Versionen nachgewiesen werden, die bis zum Ende der 1930-er Jahre verwendet wurden. Die Exponate seien ein Beleg dafür, dass für die Keramikfabriken außer der Gebrauchs- und Haushaltskeramik die Kunstkeramik von großer Bedeutung gewesen sei. Die Ausstellung spiegle sehr gut den Übergang von streng geometrischen eckigen Formen hin zu organisch weichen Silhouetten der Vasen, Dosen, Schalen und Service wieder. Zusammengefasst könne man sagen, dass Fischer und Piffl die Abstraktion in die Oberpfalz gebracht haben. Das Besondere der Ausstellung sei nicht nur das ästhetisch hohe Niveau der Objekte einer kleinen Steingutfabrik weitab von den Metropolen gewesen, sondern auch die Tatsache, dass das gezeigte Sortiment von 45 Formen in nur fünf Monaten im zweiten Halbjahr 1930 entworfen worden war.

In seiner Danksagung an den Festspielverein und dessen viele freiwillige Helfern hob Zelinsky hervor, dass Hirschau der einzige Standort der zehn Keramikfabriken von Carstens ist, in dem seit mehr als zehn Jahren die Erinnerung an die Steingutfabrik durch immer neue Ausstellungen und Veröffentlichungen wachgehalten wird. Zu verdanken sei dies in besonderer Weise dem kürzlich verstorbenen Sammler und Kulturdirektor a.D. Michael Popp. Er habe 2004 den Anstoß für die erste Ausstellung des Hirschauer Steinguts gegeben. Dank gebühre ebenso den wenigen engagierten Sammlern aus nah und fern und vor allem auch dem Festspielverein mit seinen Vorsitzenden Hans Drexler und Alfred Härtl. Auf deren nächstes Projekt dürfe man schon jetzt gespannt sein.

Die Idee um Fischer-Piffl-Projekt war 2016 während der Sonderausstellung Siegfried Möller von Hans Drexler geboren worden. Volker Zelinsky habe diese Idee dankenswerter Weise aufgegriffen und in die Tat umgesetzt. Er selbst und die Festspielvereinsmitglieder hätten ihn dabei gerne unterstützt. Gleichzeitig dämpfte Drexler die Erwartungen, der Verein könne in naher Zukunft wieder eine derartige Veranstaltung auf die Beine stellen zu können. „Dazu sind wir nicht alle Jahre in der Lage.“ Davon unabhängig verfolge der Verein weiter das Ziel, ein Steingutmuseum einzurichten, um die Erinnerung an ein bedeutendes Kapitel Hirschauer Wirtschafts- und Kulturgeschichte lebendig zu halten.

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