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Stadt Hirschau  |  E-Mail: stadt@hirschau.de  |  Online: http://www.hirschau.de

(von Werner Schulz)

Wenzelkreis sagt leise Servus

Der Wenzelkreis hat sich aufgelöst. Ihr Vereinsvermögen verteilten sie auf die Caritas-Sozialstation, den Förderkreis Altenhilfe (je 1000 Euro) und die Helfer vor Ort (600 Euro). Bei der Übergabe. Sitzend v. l.: Vorstand Hans Maier und stellv. Vorsitzende „Wenzelin“ Marianne Mendl, stehend v. l.: Werner Schulz (Förderkreis), Johannes Sellmeyer (HvO), Annemarie Steinl (Schriftführerin) und Richard Sellmeyer (Sozialstation).
Wenzelkreis sagt leise Servus

Hirschau. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Hirschau vor kurzem um einen Verein ärmer geworden. Der Wenzelkreis ist Vergangenheit. Schweren Herzens beschlossen die Mitglieder die Auflösung. Ihr Vereinsvermögen verteilten sie auf die Caritas-Sozialstation, den Förderkreis Altenhilfe und die Helfer vor Ort.

Letztlich waren zwei Gründe ausschlaggebend für den schmerzhaften Schritt. Für den seit 1993 amtierenden Vorsitzenden Hans Maier, der das Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, fand sich kein Nachfolger. Generell führte die Altersstruktur der Mitglieder dazu, dass die Vereinsaktivitäten zusehends erlahmten.

Offiziell gegründet wurde der Wenzelkreis am 29. Juli 1989 beim Gschrei (Gasthof Weich). Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte am 13. September 1989. Die Anfänge sind jedoch bereits in den Jahren 1960/61 zu suchen. Damals gründeten sieben junge Hirschauer, darunter der „rasende Reporter Sepp Müller Anderl“ und der heutige Stadtheimatpfleger Sepp Strobl, in einer Hinterhofscheune des Anwesens Popp im Schein einer Petroleumlampe den Wenzelkreis. Im Garten enthüllten sie den Wenzelstein, den sie angeblich am Wenzelsberg ausgegraben hatten und der bis dort steht. Als Aufgabe hatte man sich die Forschung und Pflege der Hirschauer Geschichte um König Wenzel gestellt. Wenzel und sein Vater Kaiser Karl IV. hatten wichtige Rollen in der Stadtgeschichte gespielt. Man wollte Wenzel einen ihm gebührenden Platz einräumen. Die Initiative versandete aber bald. 1978 lebte der Gedanke wieder auf. Initiator war erneut der Müller Anderl. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf die Heimat- und Brauchtumspflege, vor allem die Pflege der Volksmusik. Mit dem „Böhmischen Freitag” schuf man eine neue Art heimatlichen Brauchtums. Die Hirschauer Kirwa, die in den 60-er Jahren in Vergessenheit geraten war, wurde 1975 durch Hans Gschrei wiederbelebt, ab 1980 in enger Zusammenarbeit mit dem Wenzelkreis veranstaltet. Am Kirwa-Montag wurden Hirschauer Begebenheiten und Persönlichkeiten beim Aussingen durch die „Feieraumdmuse“ pointenreich derbleckt und der „Wenzel“ ausgerufen, insgesamt dreizehnmal. Als erstes Hirschauer Original wurde diese Ehre 1981 Georg Wittmann (dem Zöiglbinna) zuteil. Ihm folgten Benno Bauer, Josef Lindner, Alfons Schwinger, Sebastian Anton Fink, Helmut Rösch und Hans Weich. 1988 gab es mit Regina Rösch die erste Wenzelin. Ihr folgten Hans Niebler, Walter Widder, Luitpold Meier, Sepp Müller Anderl und als zweite und letzte Wenzelin Marianne Mendl. 1995 stellte man die Wenzel-Ausrufung ein. Gleichzeitig zog sich der Verein aus der Kirwa-Organisation zurück.

Namentlich festgehalten wurde der lose Heimatfreundekreis erstmals in einem Protokoll von einer Versammlung am 28. September 1982 beim Gschrei. Sprecher der Vorstandschaft war Rektor a.D. Wenzel Mrasek. Von da an traf man sich zweimal im Jahr zu einer Versammlung - am 12. März, dem Namenstag des Hl. Wenzel, und am 28. September, dem Todestag Papst Gregor I., dem Namensgeber des „Gregorezugs”. Die Wiederbelebung dieses seit 1586 in Hirschau nachweisbaren Brauches war der Grund für die Zusammenkunft. Bis 1971 wurde der „Gregorezug“ von den Buben des letzten Schülerjahrgangs durchgeführt. Hans Dorfner und Martin Meier gelang 1983 die Wiederbelebung. 1988 übernahm Werner Pichl die Betreuung. 1995 verschwand der Brauch mangels Interesse der Schuljugend bis heute in der Versenkung. 1987 übernahm Martin Meier den Vorsitz. Ihm folgte 1989 Werner Pichl. Da die Mitgliederzahl auf 22 Personen angewachsen war, entschloss man sich zur Gründung eines ordentlichen Vereins. Sie erfolgte am 29. Juli 1989 beim Gschrei. An der Versammlung nahmen Sepp Müller Anderl, Sepp Strobl, Hans Weich sen., Hans Weich jun., Franz Daller, Hans Dorfner, Gerald Pichl, Sebastian Anton Fink, Regina Rösch und Werner Pichl teil. Er wurde zum Vorsitzenden gewählt, zu Stellvertretern Sepp Strobl und Hans Dorfner, zum Heimat- und Kulturwart Sepp Müller Anderl. Nach der Eintragung ins Vereinsregister schloss man sich im November 1989 dem Oberpfälzer Waldverein an. 1993 übernahm Hans Maier den Vorsitz, den er bis zur Auflösung innehatte. Während seiner Amtszeit wurde den Mitgliedern regelmäßig ein interessantes Programm mit Brauchtumsveranstaltungen, Festen und Ausflugsfahrten geboten. Die Teilnehmerzahlen wurden jedoch immer spärlicher. So sagte der Wenzelkreis, den Bürgermeister Hermann Falk beim 25-Jährigen noch als „sehr wichtigen Kulturträger in und für die Stadt“ bezeichnet hatte, ganz leise Servus. So manchem Hirschauer wird er sicher fehlen – allen voran der „Wenzelin“ Marianne Mendl.

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